Kamille (Matricaria chamomilla) ist wohl die bekannteste Heilpflanze Deutschlands. Kein Wunder — sie wirkt antientzündlich, krampflösend, beruhigend und wundheilungsfördernd. Wir zeigen alle wichtigen Anwendungsgebiete.

Wirkstoffe der Kamille

Das blaue ätherische Öl der Kamille enthält das wertvolle Chamazulen — ein starkes Antiphlogistikum (Entzündungshemmer). Daneben finden sich Apigenin, Bisabolol und Flavonoide.

  • Chamazulen (antientzündlich, nur im Dampfdestillat)
  • Apigenin (beruhigend, bindet an GABA-Rezeptoren)
  • α-Bisabolol (wundheilungsfördernd)
  • Flavonoide (antioxidativ)
  • Cumarine (krampflösend)

Kamille bei Magen-Darm-Beschwerden

Die krampflösende Wirkung der Kamille macht sie zum Klassiker bei Blähungen, Koliken, Gastritis und Reizdarmsyndrom. Apigenin entspannt die glatte Muskulatur des Darms.

Kamillentee gegen Bauchkrämpfe

2 TL getrocknete Kamillenblüten mit 250 ml kochendem Wasser übergießen. 10 Minuten abgedeckt ziehen lassen (wichtig: abdecken, da ätherisches Öl sonst entweicht). 3 Tassen täglich trinken.

Bei akuter Gastritis empfehlen Gastroenterologen manchmal Kamillentee als begleitende Maßnahme — er bildet einen schützenden Film auf der Magenschleimhaut.

Kamille äußerlich: Haut und Wunden

Äußerlich angewendet fördert Kamille die Wundheilung, lindert Juckreiz und bekämpft leichte Hautinfektionen. Kamillenextrakt ist in zahlreichen Salben und Cremes enthalten.

  • Wundpflege (Umschläge mit Kamillentee)
  • Neurodermitis (lindert Juckreiz)
  • Bindehautentzündung (Augenbad mit Kamillentee)
  • Mundschleimhautentzündung (Gurgeln)
  • Hämorrhoiden (Sitzbäder)
Bei Kamillenallergie — die zur Kreuzreaktion mit anderen Korbblütlern führen kann — äußerliche Anwendung vermeiden. Test: kleine Menge auf Unterarm auftragen und 24h beobachten.

Kamille für Ruhe und Schlaf

Apigenin, ein Flavonoid der Kamille, bindet an Benzodiazepinrezeptoren im Gehirn — ähnlich wie beruhigende Medikamente, aber ohne deren Nebenwirkungen. Eine Tasse Kamillentee vor dem Schlafengehen hilft beim Einschlafen.

Eine klinische Studie zeigte, dass ältere Erwachsene, die täglich zweimal Kamillentee tranken, nach 4 Wochen signifikant besser schliefen als die Kontrollgruppe.

Kamille in der Schwangerschaft

Kamillentee in normalen Mengen (1–2 Tassen täglich) gilt in der Schwangerschaft als relativ sicher. Von konzentrierten Kamillenpräparaten (Kapseln, Tinkturen) wird in der Schwangerschaft abgeraten — die wehenstimmulierende Wirkung in hohen Dosen ist nicht ausreichend untersucht.

Konzentrierte Kamillenpräparate in der Schwangerschaft nur nach Rücksprache mit dem Arzt anwenden.

Häufige Fragen (Kamille)

Wie oft kann ich Kamillentee trinken?

3–4 Tassen täglich gelten bei kurzzeitiger Anwendung (bis 4 Wochen) als sicher. Bei Dauerkonsumption Pause einlegen und ggf. Arzt befragen.

Was ist der Unterschied zwischen echter und falscher Kamille?

Echte Kamille (Matricaria chamomilla) hat einen hohlen, gewölbten Blütenboden. Falsche Kamille (Anthemis) hat einen soliden Boden und riecht weniger intensiv. Für Heilzwecke nur echte Kamille verwenden.

Hilft Kamille bei Babykoliken?

Kamillentee in kleinen Mengen (nicht mehr als 150 ml täglich) kann Säuglingskoliken lindern. Bitte vorher Kinderarzt befragen, da Säuglinge anders reagieren als Erwachsene.